Eine kurze Chronik der FSV

Im Jahre 1899 fanden sich 20 bis 25 Junge Männer unter recht schwierigen äußeren Bedingungen zusammen, um auch in der Gemeinde Dörnhagen einen Turnverein zu gründen und den Geist des Turnvaters Jahn in die Jugend hineinzutragen.

Um diese Zeit war der Sport in der Öffentlichkeit, insbesondere bei den staatlichen Organen, noch sehr verpönt. Man erkannte noch nicht die Aufgaben der Leibesübungen, nämlich die körperliche, seelische und geistige Entwicklung des Menschen zu fördern, sowie seine Gesundheit und seine Leistungsfähigkeit zu steigern. Daher wurden auch die Turn- und Sportvereine abgelehnt und somit in ihrer Entwicklungsarbeit gehemmt.

Trotz dieser Widerstände ließen sich die jungen Männer in ihrer Begeisterung zur Turnerei nicht beeinflussen. Unter der tatkräftigen und langjährigen Leistung von Jakob Icke wurde anfangs in "Dörings Hof" und etwa ab 1900 auf dem "Schweitzerischen Saal" geturnt. Von 1903 bis 1933 war die Gaststätte Butte Übungsstätte und Vereinslokal.

Turnerische und sportliche Leistungen waren, mit den heutigen Maßstäben gemessen, nicht allzu hoch. Aber man war mit ihnen zufrieden. Das lag auch daran, dass die Vergleichsmöglichkeiten und der geographische Spielraum für den Einzelnen und für die Mannschaften in dieser Zeit recht klein waren. Schusters Rappen oder das Fahrrad steckten die Grenzen des Bewegungszeitraumes des sporttreibenden Menschen ab. Eisenbahnfahrten über größere Entfernungen zu sportlichen Begegnungen waren schon der Kosten wegen selten, und die Kosten spielten auch eine große Rolle, weil jeder sie selbst tragen musste und niemand auf den Gedanken gekommen wäre, sie anderen, sagen wir dem Verein, aufzubürden. Der eigene Geldbeutel bestimmte die Grenzen allem turnerischen und sportlichen Wirken.

Der "Turnverein Dörnhagen", aus kleinen Anfängen entstanden, entwickelte sich von Jahr zu Jahr. Turngeräte wurden aus persönlichen Spenden der Turner nach und nach angeschafft und die Mitgliederzahl wuchs ständig zu einer verschworenen Gemeinschaft, bis der Erste Weltkrieg dem jungen Verein ein jähes Ende bereitete. Die wehrpflichtigen Männer wurden Soldaten, und der Vereinsbetrieb kam zum Erliegen. Nach Beendigung des Krieges hatte der Verein den Verlust von 15 Turnbrüdern zu beklagen, jedoch der Turngeist lebte weiter und so wurde erneut unter der Leitung von Ludwig Wolfram mit den Zurückgekehrten begonnen.

Die politische Entwicklung brachte es mit sich, dass auch im Sport die Einigkeit verloren ging. Der Gründungsverein schloss sich im Jahre 1919 dem neu entstandenen Arbeiter- Turn- und Sportverein an. Der überwiegende Teil der Turner blieb in diesem Verein. Der Rest ging in die Deutsche Turnerschaft, die sich im gleichen Jahr gründete. So arbeiteten bis 1933 zwei Sportvereine nebeneinander mit gleichen sportlichen Zielen.

Die Turnabteilung des Arbeiter- Turn- und Sportvereins (ehemaliger Gründungsverein) pflegte in den Jahren 1920 bis 1931 auch das Frauenturnen. Zwischen zehn und 15 Turnerinnen hatten in dieser Zeit den Mut, auch in Dörnhagen dem "schwachen Geschlecht" den sportlichen Weg zu ebnen. Neben den Turnerinnen hatte der Verein noch Jugendturner und Schüler in seinen Reihen. Die 1. Riege bestand in dieser Zeit aus den Turnern:
Hans Wolfram, Justus Gude, Georg Wenderoth, Georg Kranz, Georg Gude, Jakob Döring, Justus Proll, Kurt Herrmann, Christoph Aschenbrenner, Karl Kranz, Karl Krieger, Heinrich Kranz und Hans Geist.

Durch die politische Entwicklung nach 1933 wurden beide Sportvereine gleichgeschaltet und bildeten gemeinsam bis 1945 den Turn- und Sportverein Dörnhagen.

Turnen und Fußball bestimmten in diesen Jahren das Vereinsgeschehen. Die Turnerriege setzte sich aus folgenden Turnern zusammen:
Johannes Berninger, Konrad Döring, Jakob Wiederecht, Martin Wenderoth, Karl Landgrebe, Heinrich Gude, Christoph Aschenbrenner und Willi Claus.

Vorliegende Angaben konnten nur auf Grund mündlicher Überlieferungen niedergeschrieben werden, da keinerlei schriftliche Unterlagen aus der Gründerzeit bis zum Jahre 1945 existieren.

Im Laufe des Zweiten Weltkrieges erlahmte der gesamte Sportbetrieb in Dörnhagen. Zum zweiten Male innerhalb von 40 Jahren seines Bestehens wurde der Verein wieder auseinander gerissen und hatte nach Beendigung des furchtbaren Krieges den Verlust vieler seiner besten Mitglieder, insgesamt 35 zu beklagen. Am 25. Oktober 1945, unmittelbar nach dem Erlass der Militärregierung, dass die sportliche Jugend sich wieder zusammenfinden konnte, wurde unter der Leitung von Gottfried Herrmann der Turn- und Sportverein wieder ins Leben gerufen. Der Verein gab sich den Namen:

Freie Sportvereinigung Dörnhagen 1899 e.V.

Unter der sachkundigen Leitung von Johannes Berninger und Willi Claus sen. wurde das Geräteturnen in Dörnhagen wieder aufgenommen. Übungsstätte war der Saal der Gaststätte Proll bis zum Jahre 1966. Neben den oben erwähnten Turnern stellten sich noch Christoph Aschenbrenner, Justus Döring und Karl Schütz für weitere Aufgaben zur Verfügung.

Erstes größeres Turnfest nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gauturnfest des Turngaus Nordhessen im Jahre 1948 in Kassel - Harleshausen.

Eine neu ins Leben gerufene Kinderturnabteilung unter der Leitung von Justus Döring, Willi Claus jun. und Willi Wolfram war der Grundstein für die weitere Entwicklung der turnerischen Arbeit in Dörnhagen.

1949 wurde in festlichem Rahmen, unter großer Beteiligung der Nachbarvereine, das 50 jährige Stiftungsfest des Vereins gefeiert.

Kassel erlebte im Jahre 1950 das 1. Hessische Landesturnfest. Auch die Dörnhagener Turnerinnen und Turner waren dort vertreten und brachten die ersten Eichenkränze mit Siegerschleifen mit nach Hause.
Johannes Berninger, Walter Herrmann und Alfred Bahr vertraten die Farben des Vereins beim Deutschen Turnfest in Hamburg im Jahre 1953.

In diesem Jahr erfuhr die Vereinsarbeit eine besondere Krönung. Bei den Bundesjugendspielen errang die Jugend, hinter Hamburg - Altona, den 2. Platz im gesamten Bundesgebiet. Freundschaftswettkämpfe mit dem Nachbarvereinen Wollrode, Guntershausen, Besse, Großenritte, Elgershausen und Hoof bestätigten die gute Aufbauarbeit durch Turnwart Jakob Gude und Spartenleiter Johannes Berninger.

Nun trug auch die erfolgreiche Arbeit der Kinderabteilung ihre Früchte. Walter Landgrebe, Gerhard Knippschild, Kurt Kranz und Wilhelm Gude wechselten von Schüler- zu Jugendturnern. Sie sind auch heute noch fast jeden Freitag aktiv in der Sporthalle anzutreffen.

Bis etwa zum Jahre 1960 bestand in der FSV Dörnhagen eine gute Turnerinnenriege, die sich an sämtlichen Wettkämpfen und Turnfesten in dieser Zeit beteiligte.

Neben den bereits erwähnten Freundschaftswettkämpfen kamen nun die Meisterschaftswettkämpfe innerhalb des Turngaus Nordhessen zum Programm der Dörnhagener Riegen. Das Jahr 1957 brachte den ersten größeren Erfolg. Von sieben Riegen wurden die Turner aus Dörnhagen 1. Sieger in der Kreisklasse. Das bedingte, dass sie im nächsten Jahr in der Gauklasse antreten mussten. Hier gelang 1958 auf Anhieb der 3. Platz hinter der ACT Kassel und der FSK Hoof. Diese Meisterschaftswettkämpfe waren auch Anlass für Vergleichskämpfe mit den Riegen aus Wellerode, dem Hessischem Meister im Kunstturnen 1955, dem KSV Hessen Kassel, der ACT Kassel, dem VfL Wolfhagen, der TSG Hofgeismar und der FSK Lohfelden. Sie waren die Höhepunkte in der Vereinsgeschichte der FSV Dörnhagen, denn es waren Anziehungspunkte nicht nur für Dörnhagener Einwohner.

Weitere turnerische Verbindungen bestanden in diesen Jahren mit Melsungen, Korbach, Wabern, Kassel‑Oberzwehren, Kassel‑Wehlheiden und dem südhessischen Verein Obereschbach im Taunus. Im Jahre 1959, anlässlich der Gaumannschaftsmeisterschaften, wurde die Arbeit von Jakob Gude mit dem 1. Platz in der Gauklasse belohnt. In den nun folgenden drei Jahren traten die Turner bei den Gaumeisterschaften in der Bundesklasse zusammen mit den Riegen des KSV Hessen Kassel, der ACT Kassel, des TSV Oberzwehren und der TSG Wellerode an. Obwohl in dieser Zeit die zwei Turner Gerhard Ewald und Kurt Neurath von Hoof nach Dörnhagen wechselten und eine wesentliche Verstärkung für die Mannschaft waren, konnte sie sich gegenüber diesen starken Vereinen nicht durchsetzen.

Von 1964 an wurde bei den Gaumannschaftsmeisterschaften wieder in der Gauklasse geturnt. Für den 1. Platz in dieser Klasse war ein Wanderpokal des ehemaligen Lohfeldener Turners Martin Wenderoth im Umlauf. Diesen 1. Platz erreichte die Riege drei Jahre hintereinander. Damit ging dieser Pokal in den Vereinsbesitz der FSV Dörnhagen über. Folgende Turner waren am Gewinn dieses Pokals beteiligt: Wilhelm Gude, Kurt Kranz, Walter Landgrebe, Gerhard Ewald, Kurt Neurath und Gerhard Knippschild.

Ein neu gestifteter Pokal, der "Hans - Berninger - Pokal", konnte von der Dörnhagener Riege noch zweimal erfolgreich verteidigt werden, ehe er 1969 in den vorübergehenden Besitz des KSV Hessen Kassel kam. Diese Erfolge zeigen, wie konstant die Leistungen der Turner in dieser Zeit waren, deren Alter einen Durchschnitt von immerhin fast 33 Jahren aufwies. Große Verdienste für die turnerische Arbeit bis 1966 gebühren dem langjährigen Trainer Jakob Gude. Im Jahre 1966 wurden die Übungsstunden vom Saal des Gasthauses Proll (Söhrehof) in die Turnhalle der Hermann - Schafft - Schule verlegt. Nun kam auch das Kinderturnen wieder zur Geltung. Im Jahre 1971 wurde eine Damengymnastikgruppe unter der Leitung von Erika Neurath gegründet.

1972 beteiligen sich die Turner bei den Gau - Altersmeisterschaften.

Mehrere Riegen gingen jährlich an den Start. Dörnhagen zählte über viele Jahre neben dem KSV Hessen Kassel und der ACT Kassel zu den leistungsstärksten Vereinen des Turngaus Nordhessen. In den vergangenen Jahren belegten die Mannschaften 21 mal den 1. Platz im Turngau. Wilhelm Gude konnte sich 5 mal als Einzelsieger platzieren. Viele wertvolle Pokale wanderten in den Trophäenschrank des Vereins.

Mit der Einweihung der neuen Sporthalle in Dörnhagen am 29. Juni 1979 verzeichnete die Turnabteilung einen großen Aufschwung, und die Zahl der Mitglieder stieg ständig an. Der damalige Abteilungsleiter Karl - Heinz Riechmann konnte das 400. Mitglied begrüßen. Die Abteilung richtete Volksturntage, Kinderturnfeste, Rundenwettkämpfe des Turngaus und Gau - Sternwanderungen aus. Die 1987 in Dörnhagen ausgerichteten Hessischen Schüler- und Jugendmeisterschaften im Geräteturnen seien als Beispiel erwähnt. Bis 1977 fungierte Alfred Bahr als Turnwart, der später das Amt des Gaukampfrichterwartes des Turngaus bekleidete. Von 1978 bis 1994 übte Gerhard Knippschild mit starkem Engagement das Amt des Oberturnwartes aus. Zu den jährlichen Höhepunkten zählen die seit 1972 durchgeführten Schauturnen. Weitere Höhepunkte der Dörnhagener Turner waren der Besuch und die aktive Teilnahme an den Landes - und Deutschen Turnfesten.

Das inzwischen verstorbene Ehrenmitglied und langjähriger Spartenleiter Johannnes Berninger nahm bis 1970 an diesem Turnfest teil.
Die beiden Turner Kurt Neurath und Gerhard Ewald, die an allen zwölf Deutschen Turnfesten nach 1945 teilnahmen, trugen sich mit Erfolg, zuletzt 2002 in Leipzig in die Siegerlisten ein.
Schauturnen in den umliegenden Gemeinden sowie die Wettkämpfe der Gau- und Sensensteinbergfeste mit sehr guten Leistungen runden das Bild der Turnabteilung der FSV Dörnhagen ab.
Für seine acht Einzelsiege bei den Sensensteinbergturnfesten erhielt Gerhard Ewald als einziger Dörnhagener Turner die Goldene Sensensteinplakette des Turngaus Nordhessen.

Wir würden dem Sinn und Inhalt unserer turnerischen Tätigkeiten nicht gerecht werden, wenn wir in dem Rückblick nur die Erfolge im Wettkampf aufzählen würden. Gemeinschaftsbildende sowie gesellige Aktivitäten, z.B. Vereinsfahrten, Wanderungen, Grillfeten, Weinabende und Gemeinschaftsfeiern, sind ein wesentlicher Bestandteil der Turnabteilung.

Letzte Aktualisierung: 21. Mai 2018

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